Zum Regionalligaspiel der zweiten Mannschaft von Hannover 96 am 19.12.2008 in Magdeburg werden für anreisende Fans aus Hannover Eintrittskarten nur personalisiert, d.h. gegen Vorlage eines gültigen Ausweisdokuments, verkauft.
Die Rote Kurve nimmt dazu wie folgt Stellung:
17.12.2008 – Mit Unverständnis und großem Bedauern nimmt die Rote Kurve diese Maßnahme zur Kenntnis, die offiziell zur Sicherheit des Veranstaltungsablaufs beitragen soll.
Es ist bereits völlig unklar, inwieweit die Aufnahme der Personalien beim Kartenkauf Sicherheit für die Besucher dieses Fußballspiels erzeugen soll. Es sei dabei auf das DFB-Pokalspiel von Hannover 96 im Sommer dieses Jahres in Halle hingewiesen. Völlig ungehindert von Ordnungs- und Polizeikräften konnten sich dort gewaltsuchende Anhänger des Heimvereins durch das gesamte Stadion bis zum Gästeblock bewegen und Fans von Hannover 96, die diese Fahrt zwecks des Genusses eines Fußballspiels und des Saisonstarts angetreten hatten, unter anderem mit Würfen von Gegenständen wie Sitzschalen und Fahnenstöcken attackieren. Die Aufnahme der Personalien der Gästefans hätte an diesem Übergriff sicherlich nichts geändert und wäre auf Unverständnis gestoßen, so wie es nun der Fall ist. Vielmehr hätten sich die Fans von Hannover 96 eine frühzeitige und aufmerksame Präsenz der Polizei zu ihrem Schutz gewünscht.
Dass die der Sicherheit dienenden Präventionsmaßnahmen zum Jahresende nun in diese Richtung ausschlagen, ist in jeglicher Hinsicht nicht nachzuvollziehen. Zum Einen ist es unerträglich, dass alle Fans von Hannover 96, die dieses Spiel besuchen möchten, pauschal behandelt werden und gegen sie durch diese Maßnahme subtil ein Generalverdacht ohne jede haltbare Grundlage geäußert wird. Zum Anderen ist es nicht ergründlich, warum nur die anreisenden Gästefans davon betroffen sind und bei den Fans der Heimmannschaft auf die Personalisierung der Eintrittskarten verzichtet wurde. Dieses Vorgehen trägt den proklamierten Sicherheitsgedanken ad absurdum und lässt kein Vertrauen in präventionelle Sicherheitsarbeit zu.
Die Rote Kurve fordert dazu auf, von derlei übervorsichtigen und unbedachten Aktionen zukünftig abzusehen. Wir sind uns der Besonderheiten des Fußballs und seiner Anhängerschaft bewusst und distanzieren uns klar von jeglicher Form von Gewalt. Genauso distanzieren wir uns aber auch von absurden und mit rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht zu vereinbarenden Methoden der Behandlung von Fußballfans. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass es sich um eine Sportveranstaltung handelt, die von Bürgern aus allen Gesellschaftsschichten wöchentlich besucht wird. Wir weisen darauf hin, dass die überwältigende Mehrheit der Fans beim Besuch von Heim- und Auswärtsspielen die Intention hat, friedlich ihre Freizeit mit einem Fußballspiel zu gestalten, und sich dabei berechtigterweise nicht einverstanden erklären kann, schon im Vorfeld unter den Verdacht genommen zu werden, dabei Straftaten zu begehen. Gerade deswegen ist unseres Erachtens eine differenzierte und liberale Behandlung von Fußballfans unumgänglich.
Der Vorstand

Auswärts am 11.02 um 15.30 Uhr 



