Jan 29

Die Rote Kurve lud am 25.01.2008 zur 96-Party ins Capitol ein. Das Capitol, das Räumlichkeiten für ca. 2.000 Personen bietet und in dem regelmäßig nicht unbekannte Künstler vor vollem Haus auftreten, wurde für diese Veranstaltung zum ersten Mal gewählt.

29.01.2008 – Ein großer Rahmen also und zugleich eine große Ungewissheit sowie ein Wagnis, das sich aber in der Gesamtbetrachtung als richtig herausstellt. Zunächst aber zu den Vorbereitungen, aus denen sich Interessantes berichten lässt.

Lars Fischer von den HSV-Jungs und RK-Mitglied hatte die Idee: 96- bzw. Rote-Kurve-Party in der Winterpause im Capitol. Schnell waren Helfer gefunden, und so stemmten wir zu viert dieses Unternehmen und erfuhren zudem noch von (fast) allen Seiten viel Unterstützung. Die Programmpunkte sollten sich dabei nicht in den Vordergrund drängen, schließlich sollte es ja eine Party und keine Rund-um-die-Uhr-Unterhaltung werden.

Spielszenen vergangener großer Spiele und Saisons sollten auf der Großbildleinwand laufen. Zahlreiche DVDs waren dazu vorhanden, und auch das Capitol bot gutes Equipment zur optischen Darbietung. Doch nicht so schnell: Dürfen wir das überhaupt zeigen? Schließlich besteht dieser ungeliebte Umstand, dass an jedem Bild und jedem Filmchen mittlerweile Urheberrechte hängen, auf deren Verletzung oft nur gewartet wird. Die rechtliche Verfolgung folgt und kann für die Betroffenen böse finanzielle Konsequenzen haben. Also griffen wir zur Tastatur, schrieben die DFL an und baten um Freigabe. Schneller als man daraufhin “Freigabe” sagen konnte, erhielten wir diese nicht unüberraschend prompt und ohne Einschränkung.

Der zweite Punkt war eine Tombola. Unzweifelhaft das Wichtigste dabei ist natürlich, Preise zu beschaffen. Gar nicht so einfach, denkt man. Was wir dann aber an Unterstützung erfuhren, war abermals überraschend positiv. Von fast allen Seiten erhielten wir Zusagen und bekamen haufenweise Preise. Darunter echte Kracher wie VIP-Karten für die Spiele gegen Karlsruhe und Bayern, drei 96-Jahresmitgliedschaften, Trikots, Karten für die Westtribüne und sogar eine Jahreskarte für das Sea-Life-Aquarium. Insgesamt kamen 500 Preise zusammen, so dass jedes vierte Los gewinnen konnte.

Viel schwieriger war die Realisierung des dritten Punktes: 96-Prominenz. Wir luden so ziemlich jeden ein, den es einzuladen gibt – Spieler, Ex-Spieler, spielende Ex-Spieler, Traditionself, Amateure, A-Jugend und sogar Rote-Kurve-Mitglied Götz v. Fromberg. Die Einladungen wurden allesamt sehr positiv aufgenommen und es hagelte Zusagen, so dass wir getrost mit diesem Programmpunkt weiter für unsere Party werben konnten. Einzig die aktuelle Mannschaft verabschiedete sich früh aus diesem Kreis, da sie ein Testspiel in Hoffenheim zu absolvieren hatte. Nach der anfänglichen Euphorie kam stückweise Ernüchterung. Neben der Tatsache, dass die Kommunikationsbereitschaft unter den Eingeladenen eher dünn besetzt war, sagte einer nach dem anderen aus den unterschiedlichsten Gründen ab. In der Traditionself grassierten grippale Infekte, außerdem stand am nächsten Tag ein Turnier in Bochum an. Ebenso sollten die A-Jugend und die Amateure am nächsten Tag Testspiele absolvieren und bekamen daher von Jens Rehhagel Partyverbot. Zuletzt sagte am Morgen des Partytags Carsten Linke aus beruflichen Gründen ab, so dass wir am Ende mit leeren Händen dastanden.

Egal: Der Termin war fix, die Vorbereitungen waren getroffen, mit der HAZ, der NP und der BILD berichteten die hannoverschen Printmedien im Vorfeld über diese Veranstaltung, in sämtlichen Internetforen war darüber zu lesen und in der Stadt hingen viele Plakate aus, weshalb klar war: Um 20.00 Uhr gehen die Türen auf und es geht los.

19.20 Uhr – Erstes ungläubiges Staunen: vor der Tür warten schon Leute auf Einlass.

20.00 Uhr – Die Gruppe der Wartenden ist auf 10-15 Personen angewachsen und wir begrüßten die ersten Gäste unserer Party. Aber von nun an ging das große Zittern los. Was passiert? Kommen ein paar hundert, kommt vielleicht fast gar keiner oder wird es gar rappelvoll?

20.45 Uhr – Eine Schar von 50 Leuten hat sich vor der Leinwand versammelt und schaut gebannt auf längst vergangene Spiele. Immerhin hatten die Gegner damals blau-gelbe Trikots, was auch unsere Augen häufiger auf “die gute alte Zeit” schauen ließ.
Dann die Verkündung des Ergebnisses aus Hoffenheim: 2:0 für 96 – leiser Jubel. Torschütze zum 1:0 Stajner – Jubel. Torschütze zum 2:0 Stajner – lauter Jubel.

22.00 – 23.00 Uhr – Der Saal hatte sich ansprechend gefüllt. Von den insgesamt ca. 350 gezählten Gästen waren jetzt die meisten da, so dass die Tombola beginnen konnte. Zum Glück waren doch einige bekannte Namen gekommen, und so konnten wir Ruben Kiaman als stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Dr. Veronika von Lintel als Aufsichtsratsmitglied und zugleich fleißige Party-Helferin, Jürgen Brömer vom Ehrenrat und Jörg Voltmer vom Vorstand des e.V. auf der Bühne begrüßen und ein paar interessante Worte von ihnen im Interview hören. Die nüchterne Erkenntnis war, dass sich weniger Zuschauer zum Applaus genötigt fühlten als bei peinlichen Halbzeitspielen im Stadion. Trotzdem an dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön für das Erscheinen von Kiaman, Brömer und Voltmer auf der Party und für die finanzielle Unterstützung des e.V.. Sodann konnten die ersten Hauptpreise vergeben werden und die Feier versprach, nicht unerfolgreich zu werden.

Dann die zweite Ernüchterung: Es kamen einfach keine Leute mehr durch den Eingang. Die, die da waren, verteilten sich zusehends im relativ weitläufigen Capitol. Dazu kam, dass mehrere mit der Musikwahl der DJs nicht einverstanden waren. Es kam, was kommen musste. Die ersten Besucher gingen, die Stimmung wurde dadurch nicht besser und so führte eins zum anderen und der Saal leerte sich mehr und mehr, bis um ca. 1.00 Uhr fast alle verschwunden waren. Wir konnten unsere echte Enttäuschung nicht verbergen und rätselten über die Gründe. Liegt es am Zielpublikum? Mehr Werbung machen konnten wir nicht. Trotzdem kamen einfach nicht mehr Besucher zur Tür herein. Ganz anders war das zum Beispiel bei der offiziellen 96-Weihnachtsfeier, wo sich eine große Schar lange vor Einlass vorm Stadiontor gesammelt hatte und sich direkt nach Toröffnung auf die am Tresen sitzenden Spieler stürzte, als wäre Sonderschlussverkauf bei C&A. Das Capitol füllte sich am 25.01. aber nicht. Nicht nur in einer Hinsicht enttäuschend.

War das Capitol einfach zu groß? Im Nachhinein gesagt: ”Ja!”. In kleineren Räumlichkeiten wäre das aufgekommen, was der große Saal verhindert hat: Partystimmung. Durch den Raucherraum und den Oberrang verlief sich das Publikum noch mehr.

War die ganze Planung und Aktion also falsch? Auf keinen Fall! Wenn man etwas erreichen möchte, muss man zwangsläufig etwas riskieren, sonst tritt man auf der Stelle. Der große Rahmen der Feier war ein Wagnis, aus dem man viel lernen konnte und das fürs nächste Mal soviel Erfahrung bietet, dass eine erfolgreichere Unternehmung versprochen werden kann.

Wir hoffen, dass trotz der Widrigkeiten dieser Abend bei allen Besuchern insgesamt positiv in Erinnerung bleibt, bedanken uns bei allen, die gekommen sind, und bei allen, die uns unterstützt haben, und verbleiben mit guten Hoffnungen für eine bessere 96-Party der Roten Kurve in 2009.

geschrieben von Rote Kurve

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