Jul 26

Die Roten – schwarz-weiß-grün seit 1896 – sind bis zum 28. Juli im Trainingslager in Velden. Michael Wentker, Beiratsmitglied der Roten Kurve ist ebenfalls vor Ort und berichtet von dort über das Testspiel gegen Köln und über die Stimmung zwischen Fans und Mannschaft.

26.07.2007 – Vom 21.7.-28.7. ist wieder Velden der Mittelpunkt der 96-Fans, die das nötige “Kleingeld” übrig haben: Es ist das Trainingslager von Hannover 96 – wie im letzten Jahr bei sehr guten Bedingungen. Aber nicht wenige der mitgereisten Fans wären zu den Trainingseinheiten lieber wie im letzten Jahr nach Wernberg/Förderlach, statt in die naheliegende Veldener “Waldarena” gefahren (Wer denkt sich für solch einen Sportplatz so einen Namen aus?). Die Waldarena verspricht in ihrem Namen nicht nur eine gewisse Größe, nein, “Wald” suggeriert Schatten, den sucht man aber absolut vergebens.

Beim leider einzigen Testkick gegen den 1. FC Köln öffnete der Himmel aber ausnahmsweise seine Pforten und es goss in Strömen. Die mitgereisten Hannover Fans fanden unter einem kleinen Glasdach größtenteils Schutz, während die Köln Anhänger bergziegengleich auf der “Gegenunebenen” ihren nassen Platz fanden. Wie kann man auf so einem Dorfplatz solch ein Spiel veranstalten? 1011 Zuschauer sollen es gewesen sein, Petrus hatte ein Einsehen und der Regen hörte kurz vor Schluss auf. Das Spiel endete mit einem 3:1 Sieg, überzeugend wurde auf jeden Fall in der 2. Hälfte gespielt.

Als 96-Fan ging es dann Richtung Park-Villen Hotel, die Mannschaft und der Verein hatten zum Fanabend geladen. Hierfür sei allen Beteilgten ein herzlicher Dank gesagt. Es gab absolut leckere Rippchen, verschiedene Sorten Grillwurst und auch das Bier gab in diesem Jahr bei niemandem Anlass zur Klage. Außerdem bestand wieder die Möglichkeit, mit interessierten Spielern und Offiziellen lange Gespräche zu führen. Ich nahm die Gelegenheit wahr und sprach mit Sören Halfar, Robert Enke und Dieter Hecking über das Nichterscheinen der Mannschaft nach dem letzten Saisonspiel und über den Fanboykott während des Bayern Spiels (Ich hätte auch ein sehr gutes Gespräch mit unserem Co-Trainer, da ich aber leider keine “zeitnahen” Notizen gemacht habe und ich vermeiden möchte, verkehrt wieder zu geben, lasse ich das Gespräch mal außen vor).

Sören Halfar war vor einiger Zeit zusammen mit Jan Rosenthal Gast beim RK- Fanstammtisch und war über den Fanboykott informiert. Meine Frage, ob sie mit der Mannschaft über die Thematik gesprochen hatten, wurde verneint. “Es hätte sich nicht ergeben.”

Das Gespräch mit Robert Enke, der ja laut Aussagen einiger Journalisten eine zentrale Figur nach dem Nürnberg Spiel war, versuche ich möglichst getreu wieder zu geben:

“Die Mannschaft war verärgert, natürlich. Obwohl man nicht genau sagen konnte, wer pfeift und wer applaudiert, war es eben so, dass die Mannschaft enttäuscht war. Wir hatten nicht schlecht gespielt, uns wurde ein reguläres Tor aberkannt und dann das 0:3. Und es waren ganz schön viele Leute, die uns ausgepfiffen hatten. Besonders nach dem Interview mit unserem Trainer kamen diese Pfiffe, als es hieß, ein Elfter Platz wäre auch okay. Da ist man sauer, besonders nach den beiden Aktionen ‘Stimmung unter Vorbehalt’ und ‘Stimmungsboykott’. Wenn ich höre, wir hätten mit unserem ‘Nicht in die Kurve kommen’ nach dem Nürnberg Spiel die verkehrten Leute getroffen, so sage ich, dass eure Sachen auch die Falschen, nämlich die Mannschaft, trifft. Eure Flugblätter und Informationen, worum es bei Eurem Boykott ging, haben wir nicht erhalten. Und ob der Boykott die Führung vom Verein, an die sich ja eure Kritik gerichtet hatte, überhaupt erreicht hat, möchte ich bezweifeln. Ich hoffe, der neue Fanbeauftragte ist in Eurem Sinn. Ein Treffen des Mannschaftsrates mit der Roten Kurve und den Fans wäre bestimmt sinnvoll und gut. Wir werden in der Zukunft aber eine klare Linie haben, wie wir uns uns bei den Fans bedanken werden.”

Eine klare Linie? Hm. Kann man für so etwas eine klare Linie haben bzw. ist das sinnvoll? Robert nahm auf jeden Fall das Flugblatt von damals mit und ich war wirklich dankbar, dass sich unser Torwart soviel Zeit genommen hatte. Ich bin sicher, das Miteinander der Mannschaft mit den Fans wird besser denn je werden, aber hierfür müssen noch einige Gespräche geführt werden. Das sah man auch an Heckings Antworten:

“Auf Grund des Spielverlaufes waren natürlich alle sehr enttäuscht. Als unser Stadionsprecher beim Interview mit mir sagte, 44 Punkte, Platz 11, ein gutes Saisonende, pfiff ein Großteil der Kurve. Wir hatten doch aber vorher gesagt: Seid nicht enttäuscht wenn wir es nicht in den internationalen Wettbewerb schaffen. Ich war bei den Pfiffen auch angefressen. Ihr müsst beide Seiten sehen. Die Mannschaft hat den Mund gehalten, als ihr den Boykott gemacht habt, zumal hier auch niemand wusste, um was es genau geht.
Es gab auch einige Unstimmigkeiten, was das Saisonfinale angeht. Ich hatte gesagt: Jungs, lasst uns die Saison ausklingen und dann machen wir eine vernünftige Saisoneröffnung mit den Fans. Dann kam plötzlich drei Tage vor dem Nürnberg Spiel die Information, dass wir doch was mit den Fans machen. Und 24 Stunden vor dem Spiel hieß es: Da ist noch was, da müsst ihr hin. Okay, das war von uns nicht gut vorbereitet. Meine Frau erzählte mir allerdings, da sind nicht Familien mit kleinen Kindern die auf euch warten, da sind auch welche, die zuviel getrunken haben. Wirklich, man muss beide Seiten sehen. Vergesst auch bitte nicht die vielen Termine, die die Mannschaft auch für Euch macht. Autogrammstunden, Autogramme nach dem Training, dieser Mannschaftsabend, Wohltätigkeitsveranstaltungen, Fantreffs… Ich glaube, selbst wenn die Mannschaft informiert gewesen wäre, hätte sie wenig Verständnis dafür. Also müsst ihr auch akzeptieren, wenn sich die Mannschaft auch mal wehrt. Ihr versucht die Fankultur am Leben zu erhalten, ich weiß das und finde es gut. Fürchterlich was da in Bayern abgeht. 2000 Fans, der Rest sind Kunden. Aber ihr müsst die Mannschaft auch verstehen. Wir müssen miteinander reden, die nächste Möglichkeit wird das Treffen der Fans mit dem Fanbeauftragten am 2.8. sein. Zudem meine ich, es fehlt auch ein Pressesprecher, der könnte einige Dinge in den Zeitungen gerade rücken.”

Ja, auf jeden Fall interessante Gespräche. Aber warum wurde die Mannschaft eigentlich nicht informiert????

Trotz gewisser “Differenzen”: Wenn man schon Jahrzehnte zum Fußball und zu 96 läuft und man auch ab und zu gezweifelt hatte: 96 ist der Verein, den ich liebe und ich bin sicher: Alles wird gut!

geschrieben von Rote Kurve

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